M 5 ist, wie die Google-KI weiß, ein Sportwagen von BMW, ein Mikroprozessor von Apple, ein Schraubengewinde – und, wie der Google-KI nur auf Nachfrage, dem geneigten Amateurastronomen aber sofort in den Sinn kommt, ein Kugelsternhaufen aus dem Messier-Katalog im Sternbild Schlange.
Kugelsternhaufen sind Ansammlungen von mitunter mehreren Hunderttausend Sternen, die unsere Milchstraße umkreisen und so ihren „Halo“ bilden. Die Haufen haben sich bereits zur Frühzeit des Universums gebildet, so dass ihre Sterne älter als die meisten anderen Sterne sind. Einige sehr helle Kugelsternhaufen sind bei außerordentlich dunklem Himmel bereits mit bloßem Auge zu sehen. Dies trifft auch auf M 5 zu – allerdings nicht unter Siegens Vorstadthimmel. Mit dem Sechszöller lassen sich aber passable Aufnahmen gewinnen. Da die derzeitigen Sommernächte kurz bzw. im streng astronomischen Sinne gar nicht existent sind, stellt das im Folgenden gezeigte Bild von M 5 die einzige Ausbeute an Deep-Sky-Objekten der letzten Wochen dar.

Der helle Stern unten ist 5 Serpentis, dessen scheinbare Gesamthelligkeit etwa der des Haufens entspricht – es ist zwar nur ein Stern und nicht 100.000, dafür ist er 300-mal näher.
Ich habe übrigens gelernt, dass man bei einer Astrokamera mit eher moderatem „Gain“ (analog zu ISO, noch analoger zu ASA) arbeiten soll. So erhält man eine verbesserte Dynamik bis hin zum Kern, was dem Bild vermutlich gutgetan hat:

Begegnung hinter dem Wolkenschleier
Themenwechsel. Wer im Mai bis Juni (spät)abends nach Nordwesten geschaut hat, konnte zusehen, wie die beiden hellsten Planeten, Venus und Jupiter, sich immer näherkamen. Die engste Begegnung fand am 9./10. Juni statt – potenziell ein spektakulärer Anblick. In jener Zeit herrschte wechselhaftes Wetter mit lokalen Schauern – während es an einem Ort klar war, konnte 50 km entfernt heftiger Niederschlag fallen. Am Vorabend lag das Siegerland unter einem größeren Wolkengebiet, das nur langsam weiterzog – sich dann allerdings aus mir unbekannten meteorologischen Gründen binnen kurzer Zeit auflöste und den Blick auf die Planeten freigab. Für mehr als einen Schnappschuss aus der Stadt heraus hat es dann allerdings nicht mehr gereicht:

Am 10. Juni dann eine sehr ähnliche Wetterlage. Wenn die Wolken am Vortag verschwinden, sollten sie das doch heute auch tun! So fahre ich zur Breitenbachtalsperre. In der noch recht hellen Dämmerung sind Venus und Jupiter gerade so auszumachen:

Allein, heute bleiben die Wolken und werden immer dichter. Die Ausrüstung steht bereit, aber die Begegnung der beiden Planeten findet ungestört durch meine Blicke bzw. den sich nach außerirdischen Photonen sehnenden Chip meiner Kamera hinter dem Schleier statt:

So bleibt nur ein nostalgischer Blick ins Archiv. Im Sommer 2015 gab es eine sehr ähnliche Konstellation von Venus und Jupiter. Seinerzeit habe ich den Wolkenslalom besser meistern können:

Schön war’s damals!