Archiv des Monats: April 2026

Kometenexpedition mit Trostpreis

Eigentlich war mir am Abend vorher schon klar, dass irgendetwas schiefgehen würde. Die letzte Expedition „ins Feld“ lag Monate zurück, und ohne Routine gibt es der Fehlerquellen viele – man vergisst einen Ausrüstungsgegenstand, der Workflow ist nicht eingespielt etc. Gleichwohl habe ich gewissenhaft die mobile Ausrüstung zusammengepackt und den Wecker auf 4 Uhr gestellt. Der April ist diesbezüglich auch nicht gerade dankbar – zum Aufbleiben zu spät, zum Aufstehen eigentlich zu früh. Aber Jammern hilft nicht – es lockte C/2025 R3 (PANSTARRS), ein Fernglaskomet mit respektablem Schweif, wie eindrucksvolle Bilder im Internet zeigen.

So fahre ich in aller Herrgottsfrühe an diesem Mittwochmorgen zur Eisenstraße. Die Fahrt dauert mit einer Dreiviertelstunde länger als gedacht, aber an dem als Ziel auserkorenen Parkplatz in der Nähe der Ederquelle gibt es wie erhofft gute Sicht Richtung Osten. Die Sommermilchstraße ist hier auf 600 Meter Höhe beeindruckend. Stativ aufgebaut, Polausrichtung durchgeführt, Apo montiert, Kamera montiert, Powerbank angeschlossen, Steuerungsapp verbunden – alles funktioniert problemlos. Jetzt das Alignment der Montierung, die auf Befehl in Richtung Deneb schwenkt. Mit der App wird der Apo ausgerichtet – aber Deneb will nicht im Sucher der Kamera erscheinen. Dumm, dass ich nicht genau weiß, wo der Fokuspunkt ist. Es hilft nichts. Neuer Versuch mit Atair, der direkt über einer Tanne steht, die als Orientierung dienen soll. Und ihn finde ich nun – allerdings kann ich ihn nicht scharfstellen. Wertvolle Minuten sind bereits vergangen.

Dann dämmert es mir: Der Zwischenring vor der Kamera, den ich für die Sonnenfotografie mit Barlowlinse gebraucht habe, muss weg. Leider dämmert es nun auch anderswo: Der Morgen beginnt anzubrechen und der Komet droht im nahenden Licht des neuen Tages langsam blasser zu werden. Um einen raschen Umbau der Ausrüstung zu verhindern, ist es aber natürlich noch dunkel genug. Einige Minuten später ist dann Atair zentriert, notdürftig fokussiert (pfeif auf die Bahtinovmaske!) und der Komet in den Sucher geholt. Zumindest das läuft wieder alles tadellos – jetzt schnell per Hand ein paar Belichtungen gemacht.

Komet C/2025 R3 (PANSTARRS) am 15.04.2026 um 05:16 Uhr MESZ. Insgesamt 12 Sekunden mit Canon 6D, ISO 3200.

Nun ja. Ein Komet. Sogar ein paar Grad Schweif sind zu erkennen. Aber insgesamt 12 Sekunden Belichtung in der mittlerweile fortgeschrittenen Dämmerung reichen für ein spektakuläres Bild nicht aus.

So packe ich zusammen und mache mich auf dem Rückweg. Vorher wollte ich allerdings noch einen potenziellen Beobachtungsplatz mit Blick nach Süden aufsuchen. Und hier bin ich nun sehr angetan: Eine hochgelegene Wiese, mit dem Auto (legal!) erreichbar, wenig Lichtverschmutzung und freie Rundumsicht. Das könnte ein guter Platz für zukünftige Expeditionen sein.

Mehr noch: Tief im Osten geht gerade in leuchtenden Dämmerungsfarben die schmale Sichel des abnehmenden Mondes auf. Gut, dass ich das 135mm-Objektiv dabei habe. So gibt es als Trostpreis noch ein Stimmungsfoto mit Mondsichel.

Nachtrag: Drei Tage später versuche ich es nochmal. Diesmal funktioniert der Aufbau der Ausrüstung problemlos. Allein – in den entscheidenden Minuten versperren nun Wolken die Sicht. Irgendwas ist immer…

Das große und das kleine Licht

„Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere“ (Gen 1, 16).

Die beiden großen Lichter habe ich in den letzten Wochen mit dem Apo abgelichtet. Hier die Sonne am 6. März 2026:

80mm Apo f/6, 0,8x Flattener, 2,5x Barlow, ASI MC Pro, Baader Sonnenfilter, 1.000 Frames je 12 ms.

Unser Zentralgestirn zeigt sich mit mehreren großen Fleckengruppen – ein normales Bild der letzten Jahre, während im Februar erstmals seit 2022 keine Flecken zu sehen waren. Flecken sind Zeichen höherer Sonnenaktivität, welche in einem Zyklus von elf Jahren schwankt und sich derzeit kurz nach ihrem Maximum wieder zurückentwickelt. Von Tag zu Tag kann man dabei – mit Teleskop und Schutzfilter – zusehen, wie die Sonne innerhalb von etwa vier Wochen rotiert und die Flecken über die Oberfläche wandern.

Die Flecken selbst sind etwas „kühlere“ Regionen auf der Sonnenoberfläche – „nur“ ca. 4.000 Grad im Vergleich zu den ca. 5.500 Grad anderswo. Aber da der Rest der Sonne im Mittel dann etwas heißer ist, strahlt sie im Maximum des Elfjahreszyklus etwa 0,1% mehr Energie ab als im Minimum.

Ein näherer Blick auf die Fleckengruppe zeigt ihre Detailstruktur – und ihre gewaltigen Ausmaße, wie der Vergleich mit der Größe der Erde deutlich macht:

Das „kleine Licht“ an unserem Himmel ist nicht ganz so monströs. Der Mond erscheint zufällig in etwa genauso groß wie die Sonne – er ist zwar in Wirklichkeit 400 mal kleiner, aber auch 400 mal näher:

Vollmond am Abend des 1. April 2026. 80mm Apo f/6, 0,8x Flattener, 2,5x Barlow, ASI MC Pro, 3.000 Frames je 4 ms.

Die nachfolgende Detailansicht zeigt den Krater Copernicus, etwas links der Mitte. Es war ein Versuch mit Infrarotfilter, wobei die erhoffte Kontraststeigerung allerdings eher überschaubar blieb.

Mondkrater Copernicus am 1. März 2026. 150mm Newton f/5, 2,5x Barlow, ASI 120 Mini, Astronomik 642nm IR-Passfilter, 10.000 Frames je 4ms.

Man erkennt das „Strahlensystem“ des Kraters, das nur um die Vollmondzeit zu sehen ist. Dabei handelt es sich um Auswurfmaterial, das beim Entstehen des Kraters durch Einschlag eines Asteroiden weggesprengt wurde. Da es auf dem Mond im Gegensatz zur Erde keine Verwitterung gibt, bleibt das Zeug über Jahrmillionen liegen und wird bei entsprechenden Lichtverhältnissen zur Vollmondzeit sichtbar.