3I/ATLAS: Der Besucher
Minus 9 Grad zeigte das Thermometer an diesem frühen Novembermorgen. So war die Motivation zum Verlassen des warmen Bettes eher gering, auch wenn dort draußen ein Himmelsobjekt mit Seltenheitswert zu sehen sein sollte: der erst dritte jemals entdeckte interstellare Komet 3I/ATLAS. Aber es gilt die alte Weisheit: If you are not going outside, you are not going to photograph it!
So mache ich mich mit der mobilen Ausrüstung auf den Weg zur Trupbacher Heide. Und diesmal funktioniert alles tadellos, so dass kurz vor Beginn der astronomischen Dämmerung eine Aufnahmenserie gelingt:

Der Besucher aus einem fernen, unbekannten Sonnensystem kommt mit diffuser, leicht grünlicher Koma daher. Ein Schweif ist auf dem Foto leider nicht auszumachen. Oben im Bild ist die Galaxie NGC 4454 mit 12,7 mag zu sehen. Der interstellare Komet erscheint nur wenig schwächer als der hellste Stern im Bildausschnitt und dürfte bei 9-10 mag liegen – weit heller als die kühnsten Prognosen nach seiner Entdeckung im Sommer.
Etwa in der Bildmitte erkennt man bei näherem Hinsehen eine Flugzeugspur – oder ist 3I/ATLAS etwa doch ein außerirdisches Raumschiff, das gerade eine Flotte von Sonden ausgesetzt hat…?
C/2025 K1 (ATLAS): Der Zerbrochene
Der vorerst letzte Teil dieser Kometenserie beginnt mit einem weiteren Eintrag im Pannen-Almanach – der mehr und mehr zu einer Chronik des Dilettantismus wird: Beim Versuch, vor der Beobachtung von 3I/ATLAS noch ein paar Bilder von seinem Namensvetter C/2025 K1 aufzunehmen, vergesse ich nach dem Fokussieren, die Bahtinov-Maske zu entfernen…
So rücke ich dem Schweifstern in der folgenden Nacht erneut zu Leibe – diesmal vom heimischen Balkon aus mit Newton, Astrokamera und Guiding. 120 Frames à 30 Sekunden ergeben gestackt mit Astro Pixel Processor eine ansehnliche Erscheinung:

Der Komet macht in der Szene seit etwa zwei Wochen von sich reden, da sein Kern in mehrere Bruchstücke zerfallen ist. Beim Hineinzoomen sind die Fragmente auch auf meinem Bild zu erkennen:

Während Fragment C noch gut zu sehen ist, ist das zwölf Tage zuvor als erstes abgebrochene Stück B nahezu vollständig zerbröselt und nur noch als Ausbuchtung im Schweif zu erahnen.
Der Komet befindet sich derzeit noch relativ nahe der Erde – in etwa halber Sonnenentfernung – und ist hoch oben am nördlichen Firmament zu sehen. Er rast mit etwa 30-40 km pro Sekunde durch das Sonnensystem, wodurch er an unserem Himmel pro Tag gut und gerne zehn Vollmondbreiten zurücklegt. Diese hohe Eigenbewegung ist im nachfolgenden Zeitraffer dokumentiert.
Das Video zeigt die 120 weitgehend unbearbeiteten Einzelbilder einer Stunde mit 300facher Geschwindigkeit. Der Bildausschnitt hat in etwa Vollmonddurchmesser.
(Das obige Bild ist auf den Kometen „registriert“, weshalb sich dessen Bewegung in den Strichspuren der Sterne widerspiegelt.)