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Klassiker neu interpretiert

Es ist die Zeit der kalten Winternächte, die – so sie klar sind – mit dem schönsten Sternenhimmel des Jahres aufwarten. Im „Wintersechseck“ der hellsten Sterne finden sich etliche Deep-Sky-Objekte, zu deren bekanntesten zweifelsohne die Plejaden und der Orionnebel gehören. Beide sind bereits mit bloßem Auge sichtbar, im Feldstecher oder kleinen Teleskop beeindruckende Objekte und auch mit bescheidenen Mitteln der Astrofotografie zugänglich. In einer langen mondlosen Nacht richtete ich vom Siegener Südostbalkon aus den Apo auf die Plejaden und anschließend den Newton auf den Orionnebel, beide Instrumente jeweils mit der Astrokamera zum Photonensammeln bestückt.

Die Plejaden, im Messier-Katalog unter der Nummer 45 verzeichnet, sind ein offener Sternhaufen von etlichen hundert Sternen in einer Entfernung von etwa 400 Lichtjahren. Die hellsten Sterne stellen in der griechische Mythologie die sieben Töchter des Atlas – daher auch die alternative Bezeichnung „Siebengestirn“ – samt ihrem Vater und ihrer Mutter Pleione dar. Die markante Form ähnelt einer Miniaturausgabe des Sternbilds des Großen Wagen, weshalb die Plejaden manchmal mit dem Kleinen Wagen verwechselt werden. Letzterer ist aber deutlich ausgedehnter und unscheinbarer. Das Foto enthüllt einen bläulichen Reflexionsnebel – hier wird interstellarer Staub von den Sternen angestrahlt, ohne selbst Licht auszusenden.

Die Plejaden M 45 am 21.12.2025. Apo 80mm f/4,8 (mit Flattener), ASI ZWO MC Duo, 180 x 60 sec.

Der Orionnebel M 42 ist hingegen ein selbstleuchtender Emissionsnebel, der überwiegend aus Wasserstoff besteht. Ein heißer Stern im Zentrum ionisiert das Gas und regt es so zum Strahlen an. In den äußeren Gebieten dominiert rotes H-alpha-Licht, weiter innen leuchtet auch Sauerstoff in der O-III-Linie. Und ein wenig bläulich schimmernden Staub gibt es auch noch. Die Himmelsregion gilt als Sternentstehungsgebiet, in dem regelmäßig neue Sterne „geboren“ werden (indem ein Teil des Gases so weit kollabiert, dass in seinem Inneren die Kernfusion zündet) – etwa eine neue Sonne in zehntausend Jahren.

Der Orionnebel M 45 am 22.12.2025. Newton 150mm f/5, ASI ZWO MC Duo, 150 x 60 sec.

Der Geist der Weihnacht

Zugegeben, etwas aufmerksamkeitsheischend, oder wie die Digital Natives sagen würden, „Clickbait“. Eigentlich nennt man ihn den „Geist der Kassiopeia“, den Emissionsnebel IC 63 in der Nähe des hellen Sterns Gamma Cas. Und er erinnert tatsächlich ein wenig an ein Schlossgespenst – Charles Dickens hätte er vielleicht gefallen.

Zum Einsatz kam wieder der Dualbandfilter an der ASI ZWO hinter dem Newton, so dass ein Großteil der über 80 mal 2 Minuten gesammelten Photonen von atomarem Wasserstoff in der roten H-alpha-Linie stammt.

Die Emissionsnebel IC 59 (links) und IC 63, die vom hellen Stern Gamma Cas zum Leuchten angeregt werden
Der „Geist der Kassiopeia“ IC 63 herangezoomt

Mehr Koma

3I/ATLAS: Der Besucher

Minus 9 Grad zeigte das Thermometer an diesem frühen Novembermorgen. So war die Motivation zum Verlassen des warmen Bettes eher gering, auch wenn dort draußen ein Himmelsobjekt mit Seltenheitswert zu sehen sein sollte: der erst dritte jemals entdeckte interstellare Komet 3I/ATLAS. Aber es gilt die alte Weisheit: If you are not going outside, you are not going to photograph it!

So mache ich mich mit der mobilen Ausrüstung auf den Weg zur Trupbacher Heide. Und diesmal funktioniert alles tadellos, so dass kurz vor Beginn der astronomischen Dämmerung eine Aufnahmenserie gelingt:

3I/ATLAS in den Morgenstunden des 22. November. 80mm Apo f/4,8; 30×4 sec.; ISO 12.800; Canon 6D.

Der Besucher aus einem fernen, unbekannten Sonnensystem kommt mit diffuser, leicht grünlicher Koma daher. Ein Schweif ist auf dem Foto leider nicht auszumachen. Oben im Bild ist die Galaxie NGC 4454 mit 12,7 mag zu sehen. Der interstellare Komet erscheint nur wenig schwächer als der hellste Stern im Bildausschnitt und dürfte bei 9-10 mag liegen – weit heller als die kühnsten Prognosen nach seiner Entdeckung im Sommer.

Etwa in der Bildmitte erkennt man bei näherem Hinsehen eine Flugzeugspur – oder ist 3I/ATLAS etwa doch ein außerirdisches Raumschiff, das gerade eine Flotte von Sonden ausgesetzt hat…?

C/2025 K1 (ATLAS): Der Zerbrochene

Der vorerst letzte Teil dieser Kometenserie beginnt mit einem weiteren Eintrag im Pannen-Almanach – der mehr und mehr zu einer Chronik des Dilettantismus wird: Beim Versuch, vor der Beobachtung von 3I/ATLAS noch ein paar Bilder von seinem Namensvetter C/2025 K1 aufzunehmen, vergesse ich nach dem Fokussieren, die Bahtinov-Maske zu entfernen…

So rücke ich dem Schweifstern in der folgenden Nacht erneut zu Leibe – diesmal vom heimischen Balkon aus mit Newton, Astrokamera und Guiding. 120 Frames à 30 Sekunden ergeben gestackt mit Astro Pixel Processor eine ansehnliche Erscheinung:

Der Komet macht in der Szene seit etwa zwei Wochen von sich reden, da sein Kern in mehrere Bruchstücke zerfallen ist. Beim Hineinzoomen sind die Fragmente auch auf meinem Bild zu erkennen:

Während Fragment C noch gut zu sehen ist, ist das zwölf Tage zuvor als erstes abgebrochene Stück B nahezu vollständig zerbröselt und nur noch als Ausbuchtung im Schweif zu erahnen.

Der Komet befindet sich derzeit noch relativ nahe der Erde – in etwa halber Sonnenentfernung – und ist hoch oben am nördlichen Firmament zu sehen. Er rast mit etwa 30-40 km pro Sekunde durch das Sonnensystem, wodurch er an unserem Himmel pro Tag gut und gerne zehn Vollmondbreiten zurücklegt. Diese hohe Eigenbewegung ist im nachfolgenden Zeitraffer dokumentiert.

Das Video zeigt die 120 weitgehend unbearbeiteten Einzelbilder einer Stunde mit 300facher Geschwindigkeit. Der Bildausschnitt hat in etwa Vollmonddurchmesser.

(Das obige Bild ist auf den Kometen „registriert“, weshalb sich dessen Bewegung in den Strichspuren der Sterne widerspiegelt.)

Update vom 23.12.2025

Mittlerweile hat sich 3I/ATLAS weiter von der Sonne entfernt – was ihn einerseits lichtschwächer werden lässt, andererseits eine Beobachtung vom heimischen Balkon ermöglicht. Meine Hoffnung, ihn bei 11 bis 12 mag noch einmal visuell zu sehen, hat sich leider nicht erfüllt. Gleichwohl war es eine bemerkenswerte Erfahrung, mal wieder intensiv durch ein Okular zu blicken und Sternenlicht „live“ zu sehen anstatt lediglich auf einem Bildschirm zu betrachten.

Natürlich sind moderne CMOS-Sensoren dem menschlichen Auge weit überlegen. Die Astrokamera hinter dem Newton konnte ein schönes Abbild des Besuchers samt Schweif einfangen:

3I/ATLAS am frühen Morgen des 22.12.2025 – 30 x 60 sec., Newton 150mm f/5

Koma

Was im allgemeinen Sprachgebrauch einen Zustand andauernder Bewusstlosigkeit bezeichnet und der Altlateiner mit „Haupthaar“ übersetzen würde, steht in der Astronomie einerseits für die nebulöse Hülle eines Kometen, andererseits für einen Abbildungsfehler in der verwendeten Optik. Mein Ziel war Ersteres – was ich bekam, Letzteres.

Aber der Reihe nach: Da stand er also, der neue 80mm-Apo „TS Photoline“ auf einer Skywatcher GTI, und wartete auf sein First Light. Diese mobile Ausrüstung sollte in Kombination mit der Canon 6D DSLR wieder halbwegs niederschwellig Expeditionen „ins Feld“ ermöglichen, was für das Newton-Setup mit HEQ5, Astrokamera, hierfür benötigtem Steuerungs-Laptop samt Stromversorgung etc. schon lange nicht mehr zutrifft. Die Trockenübungen im Wohnzimmer liefen soweit gut, und die Steuerung der Montierung über Handy-App via Bluetooth ist einigermaßen komfortabel. Nach kurzer Irritation ließ sich dann auch der Bildfeldkorrektor anschrauben, nachdem ich neben den in der Anleitung beschriebenen drei Madenschrauben drei weitere winzige Inbusschrauben gefunden und gelöst hatte. Ziel der ersten Expedition sollten die beiden Kometen sein, die im Oktober/November aussichtsreich am Abendhimmel standen: C/2025 A6 (Lemmon) sowie C/2025 R2 (SWAN).

So mache ich mich auf den Weg zu meinem altbewährten Beobachtungsplatz oberhalb von Salchendorf. Hier gibt es nun allerdings ein Durchfahrtsverbot. Ist das neu oder habe ich das früher schlichtweg ignoriert? Da ich ohnehin als Alternative die Haincher Höhe antesten wollte, verlege ich kurzerhand dorthin. Hier ist es passabel, aber nicht wirklich gut – die Ausrüstung muss auf dem Feldweg aufgebaut werden und einige Bäume stören die Rundumsicht. Aber der Südwesthorizont ist hinreichend frei, so dass der tiefstehende und recht helle Lemmon schnell gefunden ist – an dieser Stelle ist der GTI und der SynScan-App ein Lob zu zollen, da Poljustierung, 1-Stern-Ausrichtung und Anfahren des Kometen benutzerfreundlich und problemlos funktionieren. Lemmon erscheint mit passablem Schweif im Sucher der Kamera und wird mit einer kurzen Belichtungsserie auf dem Chip der Canon festgehalten, bevor die Montierung dann als nächstes Objekt SWAN ansteuern soll. Nun zeigen sich allerdings Probleme. Der Komet, drei Größenklassen schwächer als sein Artgenosse, ist im (dummerweise nicht schwenkbaren) Display der Canon 6D nicht auszumachen. Überhaupt sieht das Bild seltsam aus, mit selbst im Mini-Display erkennbaren gewaltigen Verzerrungen. Im Feld finde ich an diesem Abend keine Lösung.

Diese ergibt sich dann nach einigem Probieren am nächsten Tag: Ich hatte es tatsächlich geschafft, den Bildfeldkorrektor falsch herum anzuschrauben… Anstatt den Abbildungsfehler zu korrigieren, hat er ihn damit verstärkt. Somit gab es auf den Bildern zwar Koma, nicht aber die des Kometen, sondern in Form eines üblen Bildfehlers, der die Aufnahmen unbrauchbar machte.

Einzelbild von Komet Lemmon mit übelstem Abbildungsfehler (unbearbeitet).

Diese Schmach wollte ich nun nicht auf mir sitzen lassen. Als sich die nächste Beobachtungsgelegenheit ergab, stand Lemmon jedoch bereits zu weit südlich am Horizont. SWAN sollte hingegen gut sichtbar sein, wenn auch seine Helligkeit weiter abgenommen hatte. Diesmal suchte und fand ich einen Beobachtungsstandort in der Nähe der Trupbacher Heide – gut erreichbar, perfekte Rundumsicht, durch die Nähe zu Siegen und Freudenberg allerdings schon noch recht lichtverschmutzt.

Tja, was soll ich sagen? Ich habe ihn nicht gefunden. Warum, ist mir unklar. Die Comet Observatory Database listet weiterhin Beobachtungen mit Helligkeit und Komadurchmesser auf, mit denen er eigentlich locker auf den Bildern zu sehen sein müsste. Die Positionierung der GTI sah mit anderen Testobjekten auch weiterhin (sehr) gut aus. Stimmt die Ephemeride in der SynScan-App möglicherweise nicht? Für weitere Recherchen fehlt mir die Muße, und so werde ich es wohl nie herausfinden.

Zum Glück sind wir derzeit recht reich mit Kometen der Mittelklasse gesegnet. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 9 bis 10 mag strebt C/2025 T1 (ATLAS) seinem Perihel entgegen. Hoch im Herkules stehend, sollte er auch gut sichtbar sein. Und hier fand ich nun endlich die ersehnte Koma – wenngleich der Komet insgesamt unspektakulär daherkommt und auf meinem insgesamt 4 Minuten belichteten Bild kein Schweif auszumachen ist:

C/2025 T! (ATLAS) am 17.11.2025 ca. 21 Uhr MEZ. 80mm f/4,8, 40 x 6 sec., Canon 6D, ISO 12.800

Wasserstoff und Sauerstoff

In Amateurastronomenkreisen erzählt man sich derzeit Wunderdinge über die seit einigen Jahren verfügbaren Duo-Schmalbandfilter, mit denen Astrofotografen inmitten von Berlin Ergebnisse erzielen, wie sie sonst nur unter dunklem Landhimmel möglich erschienen. Sie lassen – und das ist der Clou – gleichzeitig und ausschließlich das rote Emissionslicht von atomarem Wasserstoff (H-alpha) sowie das grün-türkisfarbene Licht von zweifach ionisiertem Sauerstoff (O-III) durch. Etliche Nebel da draußen emittieren genau diese Wellenlängen, so dass ihr Licht in Gänze den Kamerachip erreicht – nicht aber das allermeiste Streu- und Störlicht aus irdischen Quellen.

Meine Wahl fiel auf den L-eNhance von Optolong. Im Vergleich zum L-eXtreme hat er eine etwas größere Bandbreite und nimmt auch noch die neben O-III liegende H-beta-Linie mit, was manche als Nachteil empfinden. Ein Testbericht im Astrotreff zeigt aber keine nennenswerten Unterschiede, und so überwiegen für mich die Vorteile: mehr Licht auf dem Nachführchip der ASI ZWO Duo, günstigerer Preis, vielleicht etwas bessere Farben der im Kontinuum strahlenden Sterne – und ich bin ja kein Profiastronom, der O-III und H-beta trennen müsste.

Mit diesem Teil richtete ich einmal mehr mein Instrumentarium auf den in Nachbarschaft des offenen Haufens M 52 liegenden Blasennebel (NGC 7635):

48 Lightframes zu je 120 s mit ASI ZWO 2600 Duo und Optolong eNhance am 6″ f/5 Newton, H-alpha und O-III getrennt gestackt und gemischt mit APP, Endbearbeitung in Lightroom

Im Gegensatz zum letztjährigen Versuch mit der DSLR zeigt sich nun eine ausgedehnte rote H-alpha-Region. Ein näherer Blick auf den Blasennebel:

Hier ein Vergleich der beiden Wellenlängen in der monochromen unbearbeiteten Fassung (H-alpha links, O-III rechts):

In den ausgedehnten Wolken leuchtet kein Sauerstoff (rechts), bis auf den Blasennebel selbst. (Und, ja – ein Großteil davon dürfte auch noch H-beta sein.)

Splitter:

  • Unkenrufen zum Trotz lässt der Filter genügend Licht durch, um die Nachführung mit dem Duo-Chip der ASI ZWO 2600 und PHD2 problemlos zu ermöglichen. Gut – wir sind bei dem Objekt in der Milchstraße, aber ich bin zuversichtlich, auch in leereren Gefilden adäquate Nachführsterne zu finden.
  • Das Phänomen der „Zigarrensterne“ war zumindest teilweise auf den T2-Adapter im Komakorrektor zurückzuführen, der dem Nachführchip die Sicht behinderte, so dass dieser nur einen Teil der Öffnung sah. Das Ding kann man natürlich abschrauben, aber ganz obstruktionsfrei wird es nicht. Hier liegen dann wohl doch Einschränkungen im optischen Setup.
  • Ob das der Grund dafür ist, dass das Guiding ein paar Aussetzer hatte? Bei näherer Betrachtung fallen auf dem Bild schon die eierförmigen Sterne auf. Am nächsten Tag lief es aber problemlos.
  • Dieser brachte dann einen neuen Eintrag im Pannen-Almanach: In meinem mobilen Aufbau mache ich das Alignment mit Cartes du Ciel nur rudimentär. Beim Schwenk des Teleskops verwechsele ich dann offenbar Gamma Cas mit einem Nachbarstern. So verfehle ich den „Geist der Kassiopeia“ auf meinen Fotos. Das wäre mir früher mit manuellem Star-Hopping nicht passiert…
  • Die „Arbeitszeit“ auf meinem Laptop ist jetzt von 18 bis 6 Uhr, innerhalb derer doch bitte keine Windows-Updates durchgeführt werden mögen.
  • Auf der To-Do-Liste steht weiterhin die Rest-Koma in den Rändern der Bilder. Es sieht jetzt symmetrisch (schlecht) aus, so dass Verkippung wohl als Grund ausscheidet. Möglicherweise muss ich den Arbeitsabstand des Komakorrektors mal testen.

Mücken-Mond

Wenn mal gerade nichts Wichtigeres passiert, kramen die populären Medien alte Mondbezeichnungen hervor, die als besonders spektakulär verkauft werden sollen – es gibt den Erdbeermond und den Wolfsmond, den Heumond und den Honigmond, und natürlich den immer wieder bemühten Supermond. Kaum eine Berichterstattung über eine totale Mondfinsternis kommt heutzutage ohne den reißerischen und phänomenologisch weitgehend unpassenden Begriff des „Blutmonds“ aus. Für mich sollte der verfinsterte Vollmond des 7. September hingegen eher als Mückenmond in Erinnerung bleiben.

In Mitteleuropa ging der Mond an diesem Abend bereits total verfinstert auf, um nach etwa einer Stunde aus dem Kernschatten der Erde zu treten. Eine frühe Sichtung würde unter diesen Umständen unmittelbar nach Sonnenuntergang tief am Horizont schwierig und unspektakulär werden, was in der medialen Einstimmung geflissentlich ausgeklammert wurde. Anstelle einer „glühend roten Kugel“ war zunächst mit nicht viel mehr als einer schemenhaften, eher gräulich-rostfarbenen Scheibe zu rechnen.

Ich hatte mir einmal mehr die Obernautalsperre als Beobachtungsstandort ausgewählt. Dass diese an einem warmen Sonntagabend kurz vor Sonnenuntergang noch gut besucht war, konnte erwartet werden. Nicht erwartet hatte ich hingegen, dass der Weg zu meinem etwas abseits gelegenen Wunschstandort durch einen Bauzaun unpassierbar war. Der Ausweichplan führte mich auf den Damm der Talsperre – hier war allerdings an einen Aufbau des Instrumentariums nicht zu denken, da sich auf der ganzen Länge des Damms Myriaden von Mücken formiert hatten, um ihr Revier gegen eindringende Amateurastronomen zu verteidigen. Als solcher hat man ja bei Dunkelheit und Kälte mit mancherlei Unbill zu kämpfen – Mücken zählten bisher nicht dazu.

Die Flucht in etwas höher gelegene Gefilde brachte zwar Linderung, allerdings fand sich hier kein Platz mit halbwegs freier Sicht Richtung Osten. Mittlerweile musste der Mond auch bereits über dem Horizont stehen – mit ihm taten dies aber auch recht dichte Schleierwolken, die eine frühe Sichtung ohnehin aussichtslos erscheinen ließen.

Ich wage die Rückkehr zum Damm. Der inzwischen erfolgte Untergang der Sonne und ein leicht aufkommender Wind dämpfen die Tanzeslust der Mücken doch erheblich. Als größerer Plagegeist entpuppt sich nun eine Siegerländerin, die sich die Obernau für ein abendliches Telefonat auserwählt hat und dieses in einer Lautstärke führt, dass ein Stenograph auf der anderen Seite des Damms das Gespräch hätte mühelos protokollieren können.

Gegen 20:45 Uhr und damit knapp zehn Minuten vor Ende der totalen Phase gelingt die erste visuelle Sichtung des Mondes. Wie erwartet erscheint er in einem fahlen Grau mit nur leicht angedeuteter rötlicher Färbung. Fast gleichzeitig passiert die stimmgewaltige Dame meine Position und berichtet live („hier steht einer mit Stativ“), wohingegen sie das Himmelsschauspiel mit finaler Enttäuschung abtut („man sieht nichts!“).

Angesichts medial überzogener Erwartungen mag dies verständlich sein. Der tiefstehende Mond kann sich nur mühsam gegen die Schleierwolken durchsetzen. Doch arbeiten drei Faktoren für ihn: Es wird dunkler, er steigt höher, und er nähert sich dem Rand des Kernschattens. Zwei Minuten vor Austritt ergibt sich folgendes Bild:

Zu Beginn der anschließenden partiellen Phase schimmert der verfinsterte Teil des Mondes noch für eine kurze Weile in einem rötlichen Ton:

Der voll beleuchtete Teil lässt die Schleierwolken sichtbar werden, die ein eindrucksvolleres Erlebnis an diesem Abend verhinderten. Der Grad der Verfinsterung nimmt nun schnell ab, und bald wird die rötliche Farbwahrnehmung durch den immer größer werdenden sonnenbeschienenen Part des Mondes überstrahlt. Schon gut zehn Minuten nach Ende der totalen Phase gehen die Spiegelungen in der Obernau ausschließlich auf den hellen Teil zurück:

Fazit: Man will ja immer das, was man nicht hat. Aber bei minus acht Grad gibt’s wenigstens keine Mücken.

Andromedanebel mit neuer Montierung

Im Mai ergab sich die Gelegenheit, meine EQ5 an einen Sternfreund abzugeben, was den Ausschlag für die Realisierung der Überlegungen eines Montierungs-Upgrades gab. So stand wenige Wochen darauf eine HEQ5 im Wohnzimmer, von Mastro-Tec getunt mit Zahnriemenantrieb – gute 5 kg schwerer als ihr Vorgänger. Dann war aber erstmal Sommer, und ein Live-Test musste warten.

Nun war es soweit. Die Verbindung mit Steuerungssoftware & Co. funktionierte problemlos. Der Stabilitätsgewinn der Montierung ist schon enorm, und das Guiding liefert auf Anhieb eine Genauigkeit von etwas unter einer Bogensekunde – die früher immer wieder auftretenden Probleme gehören nun hoffentlich der Vergangenheit an. Pünktlich traf auch noch ein neuer Komakorrektor (der MPCC Mark III von Baader) ein, so dass ein erster fotografischer Versuch mit der runderneuerten Ausrüstung gestartet werden konnte.

Dieser beginnt mit einer unliebsamen Überraschung: Während das Bild der Hauptkamera bis in die Ecken passabel scharf aussieht, erscheinen die Sterne mit der Guiding-Kamera (die in der ASI ZWO 2600 Duo off-axis integriert ist) länglich, fast schon zigarrenförmig. Ungeachtet dieses kurzfristig nicht behebbaren Umstands wage ich eine Aufnahme. Das erste Licht, das durch den Komakorrektor auf den Kamerachip fällt, stammt vom Andromedanebel. PHD2 kommt mit den „Zigarrensternen“ leidlich klar, so dass nach 106 Minuten Photonensammeln ein Ergebnis da ist:

Warum 106 Minuten? Nun ja, eigentlich sollten es 120 werden, aber als ich nach zwei Stunden zum Instrumentarium zurückkomme, muss ich mit Schrecken feststellen, dass der Steuerungs-Laptop sich schon wieder ungefragt in den Ruhemodus begeben hat. Zum Glück konnten vorher 53 zweiminütige Aufnahmen fertiggestellt werden.

Zudem bleibt das Mysterium der Zigarrensterne. Sollte das Setup mit der integrierten Guiding-Kamera doch ungeeignet für meinen Newton sein? Ein genauerer Blick auf das Foto zeigt in den Ecken auch einige Verzerrungen – und zwar asymmetrisch. Ein Problem mit Verkippung? Nicht exakt abgestimmter Arbeitsabstand des Komakorrektors? Mangelnde Justage des Newton-Systems? Es bleibt herauszufinden…

Ad galaxias per asperas technicas

In diesen Wochen kulminiert der Große Wagen zur Zeit der astronomischen Dämmerung, und mit ihm eine Reihe heller Galaxien in benachbarten Gefilden. Doch um diese zu erreichen, waren einige Herausforderungen mit der neuen Technik zu meistern.

Das Metier der Amateurastronomie ist heutzutage weit von seinen Wurzeln entfernt. Die großen Teleskophersteller und Astrohändler werben offensiv damit, dass man sich zur Benutzung ihrer Geräte mit Sternen und Himmelsobjekten gar nicht auszukennen braucht – der Einzug der Künstlichen Intelligenz ist unaufhaltsam. Will man allerdings in (Teleskop-)Sichtweite der Bildqualität zeitgenössischer Meisterfotografen kommen, sind zumindest mit meinem Instrumentarium etliche technische Hürden zu überwinden – von der Mechanik über die Elektronik hin zur Softwaresteuerung. So habe ich mich in den letzten Tagen so intensiv wie lange nicht mehr mit meinem Hobby beschäftigt, dabei allerdings kaum einmal den Blick gen Himmel gerichtet:

  • Die Steuerung meiner EQ5 läuft nun über den Laptop mit EQMOD. Zum Verbinden gibt es ein gutes Tutorial auf Youtube. Wie es dann aber weitergeht, und dass man hierzu ein gesondertes Planetariumsprogramm braucht, dämmerte mir erst langsam. Nun läuft also auch noch Cartes du Ciel, das sich problemlos mit der Steuerung des Teleskops verbinden ließ. Nach ein paar Tagen habe ich dann auch den Sync-Knopf gefunden, mit dem man das „Star Alignment“ machen kann.
  • Die ausgeprägte Koma in den Bildecken lag am falsch gewählten Backfokus. Also einen Zwischenring abgeschraubt, und das Ergebnis ist deutlich besser.
  • Und schließlich das leidige Thema Guiding in Deklination. Es wurde immer schlimmer. Nach zweimaligem Auseinanderbauen und Zusammensetzen des Achsenkopfs kam ich dann auf des Rätsels Lösung: Die Zahnradachse, in die der Motor greift, darf weder zu fest noch zu lose befestigt sein. Nun läuft das Guiding passabel.

Die Whirlpool-Galaxie M 51 sandte für eineinhalb Stunden Licht auf den Chip der ASI ZWO 2600:

Das ist auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu früheren Versuchen mit der Canon DSLR.

Nicht weit entfernt – sowohl kosmisch als auch an unserem Himmel – befindet sich die manchmal auch als Sonnenblumen-Galaxie bezeichnete Welteninsel M 63. Hier konnte ich das Instrumentarium zwei Stunden lang sich selbst überlassen – neuer Rekord!

Und dann war da noch die Feuerradgalaxie M101, in der vor zwei Jahren die Supernova 2023ixf aufleuchtete – damals mit der Canon 6D festgehalten. Auch hier erkennt man einen Qualitätssprung:

So weit für’s Erste aus dem Reich der Galaxien. Bei genauerem Hinsehen sind die Sterne nicht ganz rund, ist noch Rest-Koma vorhanden, zeigen die Bilder „walking pattern noise“. Es bleibt also noch viel Luft nach oben.

Zu guter Letzt noch ein Eintrag im Pannen-Almanach: Während der Laptop mit der Steuerung von Kamera und Montierung beschäftigt ist, meint das Betriebssystem zwecks Update das System ungefragt herunterfahren zu dürfen…

La Luna

Nachdem eine Beobachtung der partiellen Mondfinsternis im Morgengrauen des 14. März einer Grippe zum Opfer fiel, gab es gegen Mittag des 29. März einen weiteren Anlass, den Blick auf unseren nächsten Nachbarn im All zu werfen – auch wenn er sich nur als dunkle Silhouete vor der Sonnenscheibe zu erkennen gab. Die Wetterbedingungen in Siegen waren ideal für die partielle Sonnenfinsternis. Das schließt die immer wieder durchziehenden Formationen von Cumulus-Wolken ein, die nicht nur als natürlicher Sonnenfilter fungierten, sondern obendrein eine hübsche Kulisse für das eigentliche Himmelsschauspiel bildeten:

Aufgenommen um 12:22 Uhr MEZ mit einem 300mm-Teleobjektiv bei einem Bedeckungsgrad von knapp 20% kurz nach der maximalen Phase

Ganz gewöhnlich war der Mond dann in den nächsten Tagen am Abendhimmel zu sehen. Am 3. April richtete ich meine neue Astrokamera auf unseren Trabanten. Eintausend Einzelbilder, aufgenommen mit FireCapture, gestackt mit AutoStakkert und geschärft mit RegiStax, gaben folgendes Resultat:

Aufgrund der noch nicht behobenen hohen Randunschärfe meiner ASI ZWO 2600 ließ ich den Mond zentriert und habe die vollen 26 Megapixel gefilmt, was die Bildverarbeitungsprogramme ziemlich zum Ächzen brachten. Das Ergebnis ist für einen ersten Versuch ganz brauchbar. Hier ein paar Ausschnitte:

Am Terminator: Der markante Krater mit Zentralberg oben links im Bild ist Theophilus, 100 km breit und 4.000 m tief. Rechts unterhalb das Mare Nectaris. Ganz oben im Bild, vor Ort gerade an der Grenze zwischen Tag und Nacht, befindet sich der Landeplatz von Apollo 11.
Am südlichen Mondrand

First Light mit der neuen Astrokamera

Der Eulennebel M 97 und die Galaxie M 108

Seit Neuestem bin ich stolzer Besitzer einer dedizierten Astrokamera. Nach einigem Überlegen, Lesen von Astro-Blogs und spärlicher Kommunikation mit den einschlägigen Astrohändlern fiel die Wahl auf eine ASI ZWO 2600 Duo (in der Farbversion) – ausgestattet mit einem APS-C-Sensor und einer eingebauten zweiten Nachführkamera. Inwieweit dieses Setting mit meinem 6-Zoll-TS-Newton auf einer Skywatcher EQ5 sinnvoll funktioniert, ließ sich vorab nicht abschließend klären und insofern etwas an ungewünschter Spannung erwarten.

Immerhin: Rein mechanisch klappt der Anschluss des M54-Gewindes über mehrere Adapter an meinen älteren M48-Komakorrektor problemlos. Der Fokalbereich ist erstaunlich breit und der Fokus somit gut zu finden. Die Steuerung der Kamera probiere ich erstmal über das ASI-Studio, was auch wunderbar läuft. Allein die Ansteuerung der Montierung zwecks Nachführung ist bis dato ungeklärt, da die Kamera über keinen ST4-Adapter verfügt. Also erfolgen die ersten Tests mit dem alten (zumindest teilweise bewährten) Setting über eine zweite Kamera am Leitrohr. Die Kabellage am Fernrohr wird damit schon recht unübersichtlich – neben der Montierung benötigen der Laptop und die Astrokamera externen Strom – der Flatfieldgenerator findet so schon keinen Platz mehr in der Dreiersteckdose…

Nun gut. First Light emittiert der Eulennebel sowie die benachbarte Galaxie M 108. Etliche der ersten Photonen, die den Chip der Kamera erreichen, sind somit 34 Millionen Jahre unterwegs gewesen! Das Ergebnis, ein Komposit aus 73 einminütigen Belichtungen mit Gain 300, gestackt mit dem ASI-Studio, ist für einen ersten Test annehmbar:

Update vom 07.04.2025

In der dritten Nacht raucht plötzlich das Netzteil der Kamera ab – Kurzschluss! Zum Glück scheint die Kamera selbst nichts abbekommen zu haben, nur das Netzteil ist hinüber. Der Dialog hierüber sowie über die Steuerung meiner EQ5 mit dem Astrohändler meines begrenzten Misstrauens gestaltet sich nach wie vor äußerst zäh.

Mit einem bescheidenen Ersatz-Netzteil, das von der Stromstärke eigentlich nicht für die Kamera ausgelegt ist, gelingen noch ca. 100 einminütige Aufnahmen der Balkenspirale M 106 in den Jagdhunden im Grenzbereich zum Großen Bären. Da die Guiding-Probleme nach wie vor ungelöst sind, muss aber ein gutes Drittel davon entsorgt werden.

Mit dem Bild bin ich eigentlich recht zufrieden. Sowohl die Balkenstruktur im Inneren als auch die Außenbereiche der Galaxie sind gut zu erkennen. Zu M 106 gesellen sich auf diesem Foto noch eine Reihe weiterer Welteninseln, u. a. rechts daneben NGC 4248 (13 mag), unten rechts im Bild die Edge-On-Galaxie NGC 4217 (12 mag) sowie links unterhalb von M 106 die Zwerggalaxie UGC 7356 mit angeblich 17 mag (https://in-the-sky.org/data/object.php?id=UGC_7356) – was für eine ordentliche Tiefe meines Bildes spräche, aber wohl mit etwas Vorsicht zu genießen ist.

Einen kräftigen Tritt auf die Euphoriebremse tätigt allerdings ein näherer Blick auf die äußeren Bereiche der Bilder. Hier ist trotz des im Vergleich zur Canon 6D kleinen APS-C-Sensors doch ordentlich Koma bzw. Unschärfe zu erkennen. Das mechanische Setup muss wohl noch einigen Prüfungen unterzogen werden.