Gut, der Plural ist übertrieben: Es geht nur um einen einzelnen Krebs, und noch nicht mal um ein ganzes Pferd, sondern lediglich um dessen Kopf. Die Astronomen waren ja schon immer recht fantasievoll bei der Namensgebung ihrer Himmelsobjekte – beginnend in der Antike mit der Bezeichnung der auch heute noch gebräuchlichen Sternbilder. Demgegenüber kann man die bildhaften Namen von in der Neuzeit entdeckten Himmelsobjekten eher nachvollziehen. Was Lord Rosse aber im 19. Jahrhundert mit seinem Leviathan gesehen hat, um die Nummer 1 im Katalog seines Kollegen Messier „Krebsnebel“ zu benennen, erschließt sich zumindest dem Autor dieser Zeilen nicht.

M 1 ist der Überrest einer im Jahr 1054 stattgefundenen Sternexplosion, einer Supernova, die damals heller als alle anderen Sterne leuchtete und für eine Zeitlang sogar am Taghimmel zu sehen war. Die feinen Filamente sind die „weggesprengten“ äußeren Schichten des ehemaligen Sterns, die auch heute noch mit einer Geschwindigkeit von 1.500 Kilometern pro Sekunde auseinanderfliegen. Der Nebel wird damit stetig größer, was anhand von historischen Fotos belegt werden kann.
Das obige Bild ist mit dem Duo-Schmalbandfilter aufgenommen, was die Struktur der Filamente im rötlichen Licht der H-alpha-Linie zur Geltung kommen lässt. Im Zentrum des Nebels befindet sich der kollabierte Kern des ehemaligen Sterns, ein Neutronenstern aus entarteter Materie – nur 10 bis 30 km im Durchmesser und damit so groß wie eine Stadt, aber so schwer wie die Sonne. Dieser Neutronenstern dreht sich 30 mal pro Sekunde (!) um die eigene Achse und sendet dabei jeweils einen Lichtimpuls aus – daher auch die Bezeichnung „Pulsar“. Aufgrund der Filterung ist er auf dem Bild nur schwer zu erkennen. Hier eine kontrastverstärkte Ausschnittsvergrößerung:

Vom Krebs zum Pferd. Hier braucht es nun weniger Fantasie, um in der Dunkelwolke vor dem roten Emissionsnebel einen Pferdekopf zu erkennen:

Der helle Stern oben links ist Zeta Orionis, der linke der drei Gürtelsterne des Orion. Links daneben der „Flammennebel“, dessen Namensgebung ebenfalls einleuchtet. Während die Nebelobjekte auch physisch zusammenhängen, ist Zeta Orionis ein Vordergrundstern und nur „zufällig“ im Bild.
Der Nebelkomplex besteht zu großen Teilen aus ionisiertem Wasserstoff, zum Leuchten angeregt unter anderem durch den Stern Sigma Orionis, etwa mittig im Bild mit der bläulichen Nebelhülle. Zum Einsatz kam wieder der H-alpha- bzw. Dualbandfilter. Hier der Pferdekopfnebel noch einmal in groß:

Zu guter Letzt ein Eintrag im Pannen-Almanach: Die Aufnahmen entstanden bereits im Januar bei seinerzeit noch markanten Minusgraden. Diese Bedingungen setzten dem Laptop so sehr zu, dass nach jeweils zwei bis drei Stunden die Stromversorgung trotz eingestecktem Netzteil zusammenbrach und das Gerät seinen Betrieb einstellte. Nun steht der Frühling vor der Tür – aber für den nächsten Winter muss ich dann einmal zusehen, wie man einen handelsüblichen Laptop im Kältebetrieb funktionstüchtig hält.