Als ich in den 1980er Jahren Astronomiebücher las, war Pluto noch ein Planet, und seine Artgenossen waren hübsch aufgeteilt in die vier inneren, erdähnlichen Gesteinsplaneten und die vier äußeren „Gasriesen“. Mittlerweile hat sich da Einiges getan. Unser Sonnensystem hat einen Planeten weniger, dafür kennen wir Tausende anderer Planeten um fremde Sterne. Und Uranus und Neptun sind keine Gasriesen mehr, sondern „Eisriesen“.
Unverändert geblieben ist hingegen Jupiters Status als der „König der Planeten“ – zumindest in unserem Sonnensystem. Am 10. Januar stand er in Opposition, also genau entgegen der Sonne, so dass er die ganze Nacht zu beobachten war. An diesem Abend richtete ich den Newton auf den Gasriesen – zunächst nicht bestückt mit der Astrokamera, sondern mit einem schlichten Okular. Es ist schon etwas anderes, anstatt auf einen Bildschirm direkt in den Himmel zu schauen. Und auch wenn die visuelle Detailtiefe bei weitem nicht mit guten (und auch nicht mit weniger guten wie meinen) Fotos mithalten kann, ist es doch ein erhabenes wie gleichermaßen Ehrfurcht gebietendes Gefühl, diese ferne Welt nur in einem Hohlspiegel durch etwas Glas mit eigenen Augen zu sehen. Tatsächlich konnte ich den berühmten „Großen Roten Fleck“ als winziges Detail auf dem Jupiterscheibchen ausmachen. Solche visuellen Erlebnisse hinterlassen bleibende Eindrücke und erinnern mich an die Ur-Faszination des Weltalls, die manchmal hinter Technik, Aufnahmeplanung und Bildbearbeitung zu verblassen droht.
Letztere kamen aber auch noch zu ihrem Einsatz und hinterließen nachfolgendes Resultat.

Es gibt sicherlich bessere Bilder von Jupiter, auch für einen Sechszöller. Es gibt aber auch schlechtere. Für den Moment bin ich erstmal zufrieden. (Rechts im Bild übrigens der Jupitermond Io.)
Und dann war da ja noch der Uranus. Wie ich jetzt erst gelernt habe, hat die neue Bezeichnung als „Eisriese“ weder mit gefrorenem Wasser noch mit eisiger Kälte zu tun. Vielmehr rührt sie daher, dass seine Gattung im Gegensatz zu den Gasriesen Jupiter und Saturn nicht primär aus Wasserstoff- und Helium-Gas besteht, sondern im Inneren sehr viel Wasser, Ammoniak und Methan enthält. Diese Stoffe nennt der Astronom „Eise“ – auch wenn sie in Uranus alles andere als eisig sind, sondern unter extremen Druck- und Hitzeverhältnissen in einer Suppe seltsamer Aggregatzustände vorkommen.
Von alledem ist bei einem Blick durchs Okular natürlich nichts zu sehen. Dennoch war es ähnlich wie bei Jupiter eine besondere Erfahrung, das winzige Planetenscheibchen als solches zu sehen. Tatsächlich habe ich in diesem Januar das erste Mal in meinem Leben einen Planeten jenseits des Saturn beobachtet!
Für die Fotografie ist der Uranus nun aber wirklich nicht tauglich – zumindest nicht mit meiner Ausrüstung:

Mehr als ein waberndes Etwas ist nicht zu erkennen. Auffällig ist allenfalls die grünliche Färbung – und selbst die könnte noch vom schlechten Weißabgleich herrühren…